RC-Klassen: sauber einordnen, sauber ausschreiben.
RC 2–RC 4: Für Planung und Ausschreibung ist entscheidend, dass Klasse, Randbedingungen und Nachweisführung eindeutig beschrieben sind.
Pragmatische Einordnung
Die konkrete Spezifikation richtet sich nach Risiko, Nutzung und Einbausituation.
| Klasse | Typische Einordnung | Hinweis für Planung |
|---|---|---|
| RC 2 | Häufig in Verwaltungs-/Schulgebäuden | Ausschreibungsfähig als Paket – Details und Nachweise sauber mitführen. |
| RC 3 | Erhöhter Schutzbedarf, Behörden-/Objektbau | Schnittstellen/Abnahmekriterien früh festlegen, Kombinationen prüfen. |
| RC 4 | Hochsichere Objekte | Randbedingungen, Detailknoten und Dokumentation müssen stringent sein. |
Warum die Minutenangaben nicht „Einbrechzeit“ sind
Die „5“ bzw. „10 Minuten“ aus DIN EN 1627 ff. werden oft missverstanden. Gemeint ist die Netto‑Angriffszeit: also nur die Zeit, in der tatsächlich mit Werkzeug wirksam am Bauteil angesetzt wird. Alles drumherum zählt nicht mit – z. B. Ansetzen, Position wechseln, Werkzeuge tauschen, Prüfschritte vorbereiten und dokumentieren. Wichtig für die Praxis: Ein RC‑Element wird in der Prüfung an mehreren definierten Angriffspunkten geprüft. Die Minuten sind daher kein „Countdown bis offen“, sondern ein Klassenwert für die kumulierte Angriffsdauer unter definierten Bedingungen.
| Merkmal | RC 3 | RC 4 |
|---|---|---|
| Widerstandszeit (klassifizierungsrelevant) | 5 Minuten Netto‑Angriffszeit (Werkzeugkontaktzeit) | 10 Minuten Netto‑Angriffszeit (Werkzeugkontaktzeit) |
| Gesamtprüfung (Praxis im Labor) | Die Gesamtdauer liegt in der Regel deutlich über 5/10 Minuten, weil die „Angriffszeit“ nur in kurzen, klar definierten Phasen gemessen wird – und weil mehrere Angriffspunkte am Element geprüft werden (z. B. an Schloss/Griffseite, Bandseite, Verglasungs-/Rahmenbereich). Vorbereitung, Werkzeugwechsel, Umpositionierung, wiederholte Prüfschritte und Dokumentation kommen zusätzlich dazu. Eine feste „Gesamtprüfzeit“ gibt es deshalb nicht – sie ergibt sich aus dem konkreten Ablauf. | |
| Tätertyp (Einordnung) | Erfahrener Täter, erhöhtes Risiko | Erfahrener Täter, höherer Aufwand/Toolset |
| Werkzeuge (vereinfacht) | z. B. zweiter Schraubendreher, Kuhfuß/Brecheisen | zusätzlich Säge- und Schlagwerkzeuge (z. B. Axt, Hammer, Meißel, Akku‑Bohrer) |
| Verglasung (typisch) | häufig P5A (projektabhängig) | häufig P6B oder höher (projektabhängig) |
In der Realität sucht ein Täter selten „den einen Punkt“ und bleibt dann dort. Häufig werden mehrere Angriffspunkte ausprobiert – mit dem Ziel, schnell die schwächste Stelle zu finden. Genau hier wirkt der Schutz: RC‑Systeme erzwingen mehr Aufwand, mehr Lärm und mehr Zeit im Risiko. Das erhöht die Chance, dass der Täter abbricht oder entdeckt wird. Für die Planung zählt am Ende das System (Rahmen, Beschlag, Verglasung, Anschluss, Montage) und die saubere Zuordnung der Nachweise – insbesondere bei Kombinationen (z. B. RC + Schall + Brand). Wenn jemand mit „Gesamtprüfzeit“ argumentiert: belastbar ist der Prüfbericht/Zertifikat zum konkreten Element (Größe, Öffnungsart, Beschläge, Verglasung, Montagevorgaben).
Wichtig: Die RC-Klasse allein ist nicht „die Lösung“. Entscheidend sind Einbau, Anschlussdetails und dokumentierte Nachweisführung.
Was in der Ausschreibung stehen sollte
Damit Angebote vergleichbar und Abnahmen belastbar werden.
Klasse & Randbedingungen
RC-Klasse + Einbausituation + relevante Nebenanforderungen.
Details/Schnittstellen
Laibung/Fassade/Abdichtung/Befestigung als definierte Punkte.
Nachweise
Struktur: welche Unterlagen, wann, in welcher Form – als Übergabe definiert.
RC einordnen – und Projektkontext ergänzen
Der Wizard erfasst Kontext und Material, damit die Spezifikation in der Realität funktioniert.
Für eine schnelle Klärung hilfreich
- Objektart (Schule/Behörde/Villa/KRITIS/…)
- Neubau/Bestand/Denkmal
- Materialpräferenz
Wenn vorhanden
- Fassadenaufbau/Laibungsdetail
- Hinweise zu TGA/Einbauten
- Abnahmeanforderungen des Betreibers



